Reduziertes Pflichtpaket macht Servicewohnungen attraktiv
Reduziertes Pflichtpaket macht Servicewohnungen attraktiv

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man damit noch sprichwörtlich die Straße pflastern. Jetzt haben Servicewohnungen, die mit der Zeit gehen, jedoch wieder Konjunktur. “Mein Abfall wird entsorgt, ich brauch nichts am Garten zu machen und wohne prima.”

Zu verkaufen: 2-Zimmer-Wohnung im Wohnkomplex Hobbemaflat in Bilthoven für rund 30.000 Euro. Eine Garage an der Komentenlaan ein Stück weiter das Dorf hinauf ist teurer. Die Erklärung hierfür ist einfach, so Dennis Jürgens, Schriftführer des Vereins, in dem sich die Bewohner des Service-Wohnkomplexes zusammengeschlossen haben. “Man erwirbt hier nur das Wohnrecht und bekommt dafür keine Hypothek. Man muss demnach selbst das nötige Geld mitbringen.”

Klein Soestdijk nennt er den Komplex in der waldreichen Umgebung von Bilthoven-Nord. Das Gebäude sieht prächtig aus. Rund um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erbaut, mit rotem Backstein, schwarzem Dach und großzügigen Rasenflächen vor der Tür. Jürgens (58) wohnte schon vorher auf der Hobbemalaan. Nach seiner Ehescheidung vor drei Jahren musste er sich notgedrungen nach einer anderen Unterkunft umsehen und landete in dem Service-Wohnkomplex. “Den Leuten, denen ich das erzählte, war das Mitleid förmlich anzusehen. Aber man muss einfach durch das Image hindurchschauen. Ich wohne in einem schönen 2-Zimmer-Appartement, muss nichts am Garten machen, hab einen Platz für mein Auto und wenn mal was ist, kann ich den Hausmeister anrufen. Und außerdem kennen die Menschen sich hier untereinander.” Als er hier einzog, standen noch vierzehn Wohnungen leer, mittlerweile ist beinahe alles bewohnt. Der Grund sind ein paar wichtige Maßnahmen, sagt er. Neben kaufen ist nun auch mieten möglich, einige Pflichtkosten für Services (wie die Abnahme von Mahlzeiten) wurden gestrichen und ein – relativ gesehen - jugendlicherer Einfluss sorgt für mehr Elan. Die 400 EUR Servicekosten dürfen seiner Meinung nach kein Hindernis sein. “Darin sind unter anderem Heizkosten, Unterhalt und Hausmeister enthalten. Außerdem wird die Post gebracht und der Müll entsorgt.” Das ist nicht zuviel, sagt auch Geschäftsführer Bosman von der Stiftung “Dienstverlening Serviceflats”. Sein Unternehmen verwaltet den Wohnkomplex Pieter de Hooghflat in Bilthoven, neben einigen hundert anderen in unserem Land. “Wir berechnen in De Hooghflat rund 358 EUR. Das ist im Durchschnitt weniger, als man für eine eigene Wohnung bezahlt.” Rund ein Dutzend Wohnungen stehen in seinem Bilthovener Service-Wohnkomplex noch zum Verkauf. Für Preise bis zu 175.00 EUR, für die übrigens wohl eine Hypothek erhältlich ist. “Ursprünglich sind 17 Wohnungen frei gewesen. Der Umbau ist abgeschlossen, in einem halben Jahr ist alles besetzt.”

Für Servicewohnungen gibt es einen Markt, wenn sie mit ihrer Zeit gehen, so Bosman. “Die Senioren von heute wollen Sicherheit, aber nicht mit einer Menge teurer Verpflichtungen aufgesattelt werden. Und mit Hilfe ein paar cleverer Eingriffe sind die meist grundsoliden Gebäude prima zu modernisieren. Ein anderer Eingang, das dunkle Holz raus und eine bessere Einteilung. Das ist, was die Babyboomer wollen.” Servicewohnungen, die dieses Angebot nicht haben, werden innerhalb weniger Jahre auf der Strecke bleiben, meint Bosman. Das scheint der Komplex Biltstein am Utrechtseweg nicht befürchten zu müssen. Laut Hausmeister John Groot-Wesselink standen noch vor wenigen Jahren 14 der insgesamt 77 Wohnungen frei. “Mittlerweile haben wir eine Warteliste. Wahrscheinlich haben die Menschen gemerkt, wie schön einfach das alles ist. Für nur ein paar Cents mehr stehe ich 24 Stunden für sie parat – auch, wenn das Auto nicht starten will oder der Computer muckt.” Schriftführer Jürgens vom Komplex Hobbemaflat kann ebenfalls eine steigende Nachfrage verzeichnen. “Vor kurzem hatten wir ein Gespräch mit einer jungen Frau, die sich für ein halbes Jahr einmieten wollte. Sie erzählte uns, dass sie in einem Monat ein Kind bekommen würde. Tja, ein bisschen jünger als 50-plus ist ja kein Problem, aber ein heulendes Baby, das passt nun wirklich nicht in eine Servicewohnung.”

Quelle: Algemeen Dagblad – Samstag, 20. März 2010



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